My motivaion Pre-Departure

Surfing in Australia

Sophie surfing

Wie bekommt man es hin seine Leser dazu zu bringen einen langen Text zu lesen? Ironie oder gar Sarkasmus funktioniert ganz gut. Ist aber nicht so einfach. Deswegen probiere ich es einfach mit Ehrlichkeit. Und werde die folgenden Beiträge einfach kürzer halten.

Ich weiß nicht woher das Verlangen nach Australien zu gehen kommt, aber es kommt von ganz tief innen und war schon immer da. Vielleicht war ich im letzten Leben ein Känguru, oder Leo hat mir während eines Fluges einen Gedanken gepflanzt. Jaja, werden einige von euch sagen, die will doch nur Sonne, Meer und Strand, so wie die meisten Leute, die mit Hamburger Schietwetter aufgewachsen sind. Und das leugne ich nicht! Meine Wahl der Stadt und damit auch der Universität richtete sich genau nach diesen Kriterien: Laut Internet-Recherche hat Brisbane die meisten Sonnenstunden, bietet viele Surfspots im Umfeld und drittens hat die UQ einen ganz guten Ruf. Es geht also nach Queensland. Aber hinter dem Plan nach Australien zu gehen, steckt mehr. Es ist für mich eine Reise, um mich neu zu erfinden, uhh cheesy!

Ich möchte lernen Dinge etwas entspannter anzugehen

Im Amerikanischen gibt es die Frage „Are you a cool Asian or a school Asian?”. Ich müsste sie eindeutig mit School Asian beantworten. Gut sein war mein Anspruch, wenn nicht sogar die Beste. Und am liebsten in Allem. Also widmete ich mein Leben der Schule, dem Sport oder sonstigen Dingen, wo man sich messen konnte und die sich gut auf dem Lebenslauf machen würden. Ich investierte meine gesamte Zeit für meine Karriere in der Zukunft. Die Frage, ob mir all das Spaß machte stellte ich mir gar nicht, es machte ja Spaß in etwas gut zu sein. Aber jetzt soll Schluss sein, ich möchte mich mehr in die Cool Asian Ecke bewegen und das Leben in der Gegenwart leben statt alles für morgen vorzubereiten. Was hilft mir die Mathematikolympiade-Urkunde aus der 6. Klasse? Lieber würde ich sie jetzt gegen ein paar coole Dance Moves eintauschen (:

Ich möchte mein Leben entrümpeln

Lebenskunst ist die Kunst des richtigen Weglassens.
(Coco Chanel)
Wir besitzen so viele unnötige Dinge in unserem Leben, nur weil wir sie nicht wegschmeißen wollen. Den Walkman kann man vielleicht irgendwann doch noch gebrauchen. Ist klar. Manchmal hängen Erinnerungen an den Dingen, die uns daran hindern diese auszusortieren. Aber reicht nicht auch die CD, um diese Erinnerung zu speichern? (Oder als Digital Native die MP3-Datei?) Ich gewöhne mir seit einiger Zeit an, mich leichter von materiellen Dingen zu trennen, sortiere regelmäßig aus und entsorge bzw. spende. Für Australien kann ich nur das nötigste mitnehmen und ich bin am Überlegen, alles was ich hier zurücklasse nach meiner Rückkehr auch wegzugeben (Hier übrigens mein Sortiment auf Kleiderkreisel).

Weglassen gilt für mich aber insbesondere für immaterielle Dinge. Wie oben erwähnt, bin ich ein Opfer der Leistungsgesellschaft. Ich habe alles mitgenommen was sich auf dem Lebenslauf schick machte. Matheolympiade, Sprachwettbewerbe, Ferienakademien, Weiterbildungen, Wochenendseminare. Informiert sein tut ja nicht weh. Ausprobiert habe ich auch Vieles. Von Tanzen über Schwertkampf bis hin zu Schach-Boxen und noch viel mehr. Ich könnte mich überall hinstellen und mit jedem über eine Gemeinsamkeit reden, aber nach zwei Sätzen wäre mein Gesprächsstoff verbraucht. Denn durch das Anschneiden von vielen Dingen bin ich nie in die Tiefe gegangen und habe ich mich nie in etwas spezialisiert. Ich konnte irgendwie alles, aber nichts so wirklich. Das ist ungefähr so wie der Musikgeschmack „Ich höre eigentlich alles querbeet“. Langweilig! Von daher will ich mich nun sortieren, was mich wirklich interessiert und mich in diesen Gebieten vertiefen, damit mein Charakter mal ein Profil bekommt (ich glaube manche nennen diese Suche nach der eigenen Identität, Pubertät..)!

Ich möchte etwas finden, für das es sich zu kämpfen lohnt

Australien ist das erste Projekt, das ich mit Herzblut angehe. Es ist mein eigenes Ziel, für das ich aus tiefster Überzeugung arbeite, um es zu erreichen. Neben dem Studium hier in Deutschland habe ich jeden Job angenommen, um mein Australien-Sparbuch mit Leben (also Scheinen) zu füllen. Ich war Stadtführerin auf Doppeldeckerbussen (bei einer kleinen Asiatin, die plattdüütsch spricht rasselt die Trinkgeldkasse), Praktikantin und bin aktuell Werkstudentin bei OTTO. Um die Finanzierung anzukurbeln studiere ich in Teilzeit, so dass mir mehr Zeit zum Arbeiten bleibt. Außerdem arbeite ich noch als Badminton-Trainerin und an Silvester werde ich hinter der Bar stehen. Dadurch, dass ich meine Wohnung aufgegeben habe, um zurück zu meinen Eltern zu ziehen, kann ich glücklicherweise mein gesamtes Gehalt sparen. Es ist mir wichtig, alles selbst auf die Beine zu stellen, auch wenn mich meine Eltern unterstützen würden.

Im letzten Semester habe ich doppelt so viele Kurse belegt und in diesem habe ich bereits meine Bachelor-Arbeit geschrieben (yaaay), so dass ich mich in Australien bezüglich Studium, ein wenig zurücklehnen kann. Was ich dann mit der ganzen Zeit anfange? Surfen! Denn mit dem Traum von Australien hängt auch der Traum vom Wellenreiten zusammen. Eine Definition von Glück ist für mich mein Board, das Meer und ich. Ich wollte schon immer mal Surfen und als sich die Gelegenheit dann im Sommerurlaub ergab, ergriff ich sie und war für den Rest des Urlaubes nur noch auf dem Wasser aufzufinden. Und O’Neill hat es richtig erkannt: When you have ridden the force of nature life becomes a waiting period until the next ride. Für die “Warteperiode” habe ich von daher einige Maßnahmen ergriffen:

1 Damit ich mein Surfboard auch zum Strand bringen kann, habe ich mir seit nun einem Jahr Skaten bzw. longboarden beigebracht

2 Damit meine Ärmchen den australischen Wellen auch gewachsen sind, gehe ich seit August regelmäßig ins Fitnessstudio

3 Damit ich meine epic-fail-compilation in Australien auch festhalten kann, nehme ich jeden Tag am Gewinnspiel für die GoPro teil

Was mir noch fehlt ist ein Kraulkurs, damit ich auch wirklich jede Welle bekomme. Also, falls jemand mir das gern beibringen möchte, bitte kontaktier mich!!

Im Februar 2014 geht die Reise dann los. Das Blog dazu startet jetzt. Mit Ahoi Sophie halte ich euch auf dem Laufenden, wie sich die Vorbereitungen entwickeln, werfe ab und zu ein paar Gedankenschnipsel ein, bevor ihr dann endlich in den Genuss von Australien-Impressionen kommt (hoffentlich in Bewegtbild, sofern ich die GoPro gewinne).

Wenn man mich fragt, warum ich reise, antworte ich: Ich weiß wohl, wovor ich fliehe, aber nicht, wonach ich suche.
(Michel de Montaigne)

Sonnige Grüße
Sophie

Sophie skating on her cruiser

Mein GLOBE-Cruiser und ich (anfangs noch belächelt “ein Longboard passend für deine Größe Sophie”, jetzt verkauft sogar UO mein Bantam-Baby)

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